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Kessel

 

Die Kessel

>>>Hochwasser 1987

Störche machen Rast

August 2006 - Störche bei den Kessel-Biotopen

Wenn die Störche im August schon reisen, kommt ein Winter von Eisen.
(Alte Bauernregel)

Störche beim Biotop
Als rechter kleiner Nebenfluss der Donau schlängelt sich die Kessel, aus dem Wald bei Forheim
kommend bis zu ihrer Mündung bei Donaumünster, am Riesrand und an den Jurahöhen entlang
und bildet dadurch das schöne, 25 km lange, ruhige Erholungsgebiet Kesseltal.

Laudatio auf die Kessel >>

Der Weg der Kessel verläuft auch durch Unterringingen.

die Kessel bei Unterringingen
An der Kessel finden viele Wildenten ihre Brutstätten.


Die Kessel bereitet aber nicht immer nur Freude,
1987 hieß es in Unterringingen "Land unter".

auch im Januar 2004 "Land unter"


Volks- und landeskundliche Beschreibungen aus dem Landkreis Dillingen
Die Physikatsberichte der Landgerichte
Bissingen, Lauingen, Dillingen und Wertingen
(1858-1861)
Georg Simnacher zum 70. Geburtstag
Bearbeitet von Gerhard Willi
Wißner - Verlag Augsburg
(Ausschnitt)
...Flüsse
Das königliche Landgericht Bissingen hat nur einen Fluß, nämlich die Kessel und ist eigentlich nur ein großer Bach. In trocknen Sommern und kalten Wintern ist sein Wasser-Quantum so geringe, wenigstens im oberen Kesselthal und in Nähe seines Ursprunges, daß die an ihm liegenden Mühlen feiern müssen. Ein anderes Ansehen bekömmt er aber bei heftigen Regengüssen, schnellen Schneegange; da blickt das erstaunte Auge auf den reisendsten Strom. In wenigen Stunden setzt er dann die ganze Ebene unter Wasser und greift störend in alle Communication. Die Landschaft gleicht jetzt einem unvergleichlich schönen Gebirgssee.
Dieser Fluß, nämlich die Kessel, von der vielleicht der Gerichtsbezirk in grauem Alterthume schon seinen Namen erhalten haben mag, was aber zu bezweifeln ist, indem mehr und größere Wahrscheinlichkeit dafür gegeben ist, daß der Name "Kesselthal" der Gegend wegen seiner Kesselform und Gestalt viel eher ertheilt worden sey, - entspringt im äußersten Westen des Bezirkes in den Waldungen der Gemeinde Forheim, - im Sogenannten Kesselholz. Von seiner Quelle aus fließt das anfänglich unansehnliche Bächchen von West nach Südosten, tritt nach einem etwa 3/4 - 1 Stunde dauernden Laufe in das k. Landgericht Höchstädt ein und berührt von diesem Gerichtsbezirke nur die Gemeinde Amerdingen. In dieser Gemeinde wird das Flüßchen zum erstenmal dienstbar gemacht, seine Wasser in einem Weiher aufgefangen und zum Triebe zweier Mühlen benützt. Fortan ist seine Thätigkeit groß und spendet dem Kesselthale die manigfachsten Wohlthaten bis zu seinem ruhmlosen Tode.
Etwas oberhalb der Gemeinde Zoltingen betritt dann die Kessel zum andern Mal den Gerichtsbezirk, den sie dann auch nicht mehr verläßt, bis sie ihn der ganzen Länge nach durchlaufen hat. Bei der letzten Gemeinde des Bezirkes, bei Brachstadt tritt der Fluß in den Bezirk des k. Landgerichtes Donauwörth und beschließt eine halbe Stunde weiter unten bei dem Dorfe Münster seinen kurzen Lauf, indem er sich in die Donau ergießt.
So kurz auch die Strecke ist, welche die Kessel zurückzulegen hat, so erblickt man doch an ihr liegend 10 größere Gemeinden, als: Unterringingen, Diemantstein, Magerbein, Burg, Göllingen, Bißingen, Unterbissingen, Kesselostheim, Oppertshofen und Brachstadt.
Die Kessel, wenn auch noch so klein und ihr Lauf so kurz, setzt dennoch 11 Mühlen in Bewegung, was gewiß erheblich ist. Ihr Wasser ist meist Quellwasser aus den oben angeführten 13 Quellen, daher für Menschen und Vieh verwendbar. Sie beherbergt viele Fische, Krebse und Fischottern und gibt daher auch Nahrung. Die Fische der Kessel, noch mehr die Forellen der in die Kessel mündenden Bäche sind sehr schmackhaft. Ausser Kalmus finden sich keine officinellen Pflanzen, wohl aber alle gewöhnlichen Wasserpflanzen und Kräuter. Die in ihr wachsenden Binsen werden als Streu verwendet und der Sand, den sie mitführt, zum Mörtel verarbeitet.
Von ihrer Geburtstätte aus und im Anfange ihrer Strömung fließt diesselbe rasch und leicht dahin; gegen ihr Ende aber wird ihr Lauf, gleich dem Leben des Menschen, langsam, bedächtig und will noch zeigen, wie schwer es falle, nach so kurzem Leben so schnell und ruhmlos zu enden. Ihr Bach macht manigfache Krümmungen nach den Hügelzügen, die sie umgehen muß. Im Ganzen mag ihr Lauf 3 1/2 - 4 Meilen - 7-8 Stunden Wegstrecke betragen (ca 26-30 km).
Der Nutzen, den das Flüßchen dem Kesselthale bringt, ist unberechenbar. Es tränkt die an ihm liegenden Wiesen mit dem nöthigen Wasser, versieht Brunnen damit, treibt Mühlen, gibt Fische, Krebse, Streu, befruchtet beim Austritte die nahegelegenen Wiesen, wodurch diese einen sehr großen Ertrag an Heu liefern und dadurch eine erhöhten Werth gewinnen.
Ohne Kesselfluß wäre der Landstrich, den wir hier beschreiben, ein einförmiges, todtes und wahrscheinlich auch unfruchtbares Thal.
Die in der Tiefe des Thales in 1.000 Krümmungen durch bunte Wiesen dahin schlängelnde Kessel, an deren Ufer die vielen Ortschaften und Mühlen wie hingesäet erscheinen, macht in Verbindung mit den vielen, schönen über die Bergesrücken und Hügel hingestreuten Laubwaldungen allein das Kesselthal zu einer angenehmen Jura Landschaft.

Laudatio von Dr. Armin Heid (Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Kessel)
anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Genossenschaft auf die Kessel
Titel:


Unser „Mädle“ die Kessel

Sie erblickt das Licht der Welt östlich des Hungerbergs bei Aufhausen in 540 m ü.NN als Waldbächlein und trillert wie ein Kleinkind so vor sich hin. Nach Amerdingen vereinigt sie sich mit dem Bauernbach und wird als freche Göre, die uns bei Hochwasser auch schon einmal ganz kräftig einheizen kann, für uns Fischer eigentlich erst interessant.
Weitere rechtsseitige Zuflüsse sind übrigens: Köhrlesbach, Wildbach und Sinnenbach,
linksseitige neben dem bereits genannten Bauernbach: Aufhauser Bach, Fohlenbach und Hahnenbach.
Zunächst fließt die Kessel in Richtung Osten und schlängelt sich ab Diemantstein nach Norden am Sonnen- und Judenberg vorbei.
Von hier bis Untermagerbein ist sie einfach nur mit einem verdammt hübschen Teenager zu vergleichen. Wer sie von dieser Ecke nicht kennt, der muss einfach einmal hinfahren, wandern, fischen, die Natur genießen.
Ich sage nur: Hohenburger Mühle, Michelsberg, die Felsen um Thalheim, das wunderschöne Waldtal zwischen Ober- und Untermagerbein, man muss es einfach gesehen haben, erleben.

Es wäre jetzt aber ein Vergehen sonders gleichen, zu sagen, dass das Kesseltal bzw. die Kessel ab Untermagerbein nicht auch seinen Reize hätte.

Vorbei am Kurort Bissingen,  wo sie noch etwas radioaktives Radon von der dortigen Auerquelle aufnimmt – aber keine Angst, die Fische nach Bissingen strahlen deswegen nicht – bis hinunter zur Tapfheimer Bergmühle, mäandert sie abwechslungsreich in satten Talwiesen dahin.
Aufstau von zahlreichen Mühlen, Ablässe mit tiefen Gumpen und auch schnell dahinfließenden Gewässerabschnitte, wie z.B. beim Grillplatz in Kesselostheim, prägen die gereifte junge Frau.

Aber sie kann auch gnadenlos sein. Hochwasser im Kesseltal. Anfang der 80er Jahre verwandelte die Kessel bei einem Sommergewitter mit Wolkenbruch innerhalb von 1/2 Stunde das ganze Tal in einem einzigen See - und Chaos. Straßen wurden weggerissen, Häuser überflutet, Menschen mussten evakuiert werden.

Ab Erlingshofen fließt sie dann  parallel der Donau ruhig und gelassen dahin, als ob sie sagte: “Ich kenn nun meine Bestimmung, mich kann keiner mehr, jetzt bin ich erwachsen“.
Ja, sie ist jetzt erwachsen, aber für uns Kesselfischer bleibt sie auch hier immer noch „Unser Mädle“.

Nach 33,4 km und einem Höhenunterschied von Sage und Schreibe 130 m
mischen sich vor Donauwörth ihre Wasser mit denen des großen Stroms und sie begeben sich gemeinsamen auf ihren weiten Weg bis hinunter ins Schwarze Meer.

Wollen wir als Fischer,  Naturfreunde und Naturschützer gemeinsam weiter daran arbeiten, dass uns das schöne Kesseltal und die Kessel so erhalten bleibt, wie beide uns von Gott gegeben wurden.

Lassen Sie mich schließen mit dem Refrain des „Kesseltaler Heimatlieds“ von Frau Josefine Schmid:
„Oh Du mein Kesseltal, Du bist mein Heimatland, grüßen möchte ich Dich viel tausendmal.“

 

vorgetragen von Dr. Heid am Freitag, 27.3.2009 in Brachstadt (50 Jahre Fischereigenossenschaft Kessel)

 

M.-Heimatseiten - Oberes Kesseltal